Diese Städte haben bereits Becherpfand

Die Coffee-to-go-Mentalität ist im Alltag und damit auch in den Mülleimern angekommen. Öffentliche Plätze ertrinken in der Flut der entsorgten Einwegbecher. In acht Städten wurde mit Mehrweg-Pfandsystemen der Einwegbecherflut der Kampf angesagt.

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TEXT: Julia Merkle FOTOS: xxolgaxx via pixabay.com

Tchibo ist jetzt auch dabei: Nachdem inzwischen immer mehr Cafés Mehrwegkaffeebecher verkaufen, will jetzt auch die Kaffeekette ihre Kunden dazu bewegen, auf die üblichen Einwegbecher zu verzichten – mit einem besonders günstigen Mehrwegbecher zum Einführungspreis von 1,50 Euro. Wer seinen Kaffee darin füllen lässt, bekommt einen Preisnachlass von 10 Cent.

Die Aktion zeigt: Die negativen Auswirkungen der Coffee-to-go-Einwegbecher rücken immer mehr in das Bewusstsein der Unternehmen und Konsumenten. Pro Stunde werden in Deutschland rund 320.000 Einwegbecher verbraucht. Die Produktion erfordert einen immensen Ressourcen- und Energieverbrauch, jährlich entstehen CO2-Emissionen von rund 83.000 Tonnen sowie 31.000 Tonnen Abfall. Und das alles für einen Kaffeegenuss, der in der Regel nicht länger als zehn Minuten dauert.

Die Benutzung eines Mehrwegbechers ist der erste Schritt, um die Müllflut einzudämmen. Zwar ist die Herstellung mit einem höheren Rohstoff- und Energieeinsatz als bei einem Einwegbecher verbunden. Da Mehrwegbecher aber bis zu 1.000 Mal wiederverwendet werden können, sind die Umweltauswirkungen bei der Produktion über seine gesamte Produktlebensdauer vergleichsweise gering. Jede Wiederbefüllung ersetzt die Neuproduktion, den Abfall eines neuen Einwegbechers und spart 430 ml Wasser, 0,1 Kilowattstunden und 21 Gramm CO2. Für die ökologische Bewertung ist also die Zahl der Wiederbefüllungen entscheidend.

Die nachhaltigste Lösung: Ein Mehrwegbecher-Pfandsystem

Die folgenden acht Städte zeigen, wie erste Umsetzungen eines Mehrwegbecher-Pfandsystems erfolgreich funktionieren.

1. Freiburg

Wer steckt dahinter? Im November letzten Jahres startete die Freiburger Abfallwirtschaft mit Cafébetreibern das Pfandsystem mit dem „FreiburgCup“. Es ist damit deutschlandweit das erste Pfandsystem, das von der Stadt konzipiert und umgesetzt wurde.

Wer macht mit? Das Projekt begann mit 14 Cafés und Bäckereifilialen in der Innenstadt, inzwischen zählen 72 Kaffeebetriebe zu den Partnern. Die Liste mit den teilnehmenden Kaffeevertreibern gibt´s hier.

2. Rosenheim

Wer steckt dahinter? Das Start-up „reCup“ führte ebenfalls im November letzten Jahres mit einem selbst entwickelten und designten Mehrwegbecher ein Pfandsystem in Rosenheim ein.

Wer macht mit? Zu Beginn waren es 17 Partner, inzwischen sind es 22 Kaffeebetreiber, die sich am Pfandsystem beteiligen.

3. München

Wer steckt dahinter? Nach dem Erfolg in Rosenheim erobern die Macher von „reCup“ München. Seit Mai findet man nun auch dort die „reCups“. Das Besondere: Seinen in München gekauften „reCup“ kann man auch in Rosenheim zurückgeben.

Wer macht mit? Stolze 60 Cafés sind Teil des Pfandsystems, die sich vor allem im Glockenbachviertel und rund um die Uni befinden. Eine App hilft dabei, immer das nächste Café zu finden, wo man den „reCup“ bekommt bzw. zurückgeben kann.

4. Berlin

Wer steckt dahinter? Ende letzten Jahres startete das Pfandsystem des Start-ups „Just Swap it“ in Kreuzberg und Neukölln. Im März fusionierte „reCup“ mit „Just swap it“ und macht gemeinsam unter dem Namen „reCup“ weiter.

Wer macht mit? Nach der Fusion arbeitet „reCup“ derzeit am Aufbau eines größeren Pfandsystems in Berlin. In Zukunft sollen dann in Berlin gekaufte „reCups“ auch in München oder Rosenheim zurückgegeben werden können.

5. Hamburg

Wer steckt dahinter? El Rojito, ein Verein zur Förderung der deutsch-lateinamerikanischen Beziehungen, vertreibt fair gehandelten Kaffee und betreibt ein Café in Hamburg Ottensen. Letzten November führte der Verein das Pfandsystem „Refill it!“ inklusive eigener Mehrwegbecher ein.

Wer macht mit? 17 Cafés, die alle auch den fair gehandelten Kaffee des Vereins beziehen, sind in Hamburg Teil des Pfandsystems. Neu dabei ist auch ein Café in Leipzig.

6. Göttingen

Wer steckt dahinter? Göttinger Berufsschüler entwickelten den „Fair-Cup“. Seit Februar wird unter dem Verein „Fair-Cup Dachverband“ ein Mehrwegbecher-Pfandsystem angeboten. Bei Auszahlungsverzicht wird der Becher-Pfand automatisch an Fair-Trade-Projekte gespendet.

Wer macht mit? 64 Partner sind Teil des Pfandsystems, darunter zahlreiche Filialen von Bäckereiketten, die Berufsschule und die Kantine des Landgerichts. Zudem gibt es zwei Anlaufstellen in Hannover.

7. Düsseldorf

Wer steckt dahinter? Der private Anbieter „CupForCup“ stellt mit seinem „Good Cup“ seit Mai ein öffentliches Pfandsystem in Düsseldorf bereit. Die GmbH bietet zudem Kooperationen für Betriebsgastronomien, lokale Initiativen oder Kommunen an, die Mehrwegbecher oder ein eigenes Pfandsystem einführen wollen.

Wer macht mit? Teilnehmende Partner gibt es 32 Mal in Düsseldorf, darüber hinaus vier Mal in Dortmund und zwei Mal in Wuppertal.

8. Mainz

Wer steckt dahinter? Das junge Unternehmen „Con-Cup“ führte im Mai ein Pfandsystem mit dem „Con-Cup“-Mehrwegbecher ein.

Wer macht mit? Aus anfangs 19 Partnerbetrieben sind inzwischen 24 geworden, darunter auch jeweils ein Partner in Wiesbaden und in Bad Sobernheim. „Con-Cup“ arbeitet bereits an Ausbauplänen, um in Zukunft auch Anlaufstellen in Bad Kreuznach, Bingen, Rüdesheim und Frankfurt anbieten zu können.

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